Kinder Kulturwerkstatt Linz
Wo
sind Orte kultureller Kommunikation und Produktion in der Stadt? Gibt
es eine Entwicklung neuer
Raum- und Organisationstypologien jenseits
des Gegensatzes zwischen Staats- und Alternativkultur?
Werden Kinder
und Jugendliche aktiv und spielerisch in den identitäts- und
friedensstiftenden,
kulturellen Prozess eingebunden?
In der ehemaligen Fleischmarkthalle
von Linz entsteht im Schwung des Kultur- hauptstadtjahres
2009 das rund
6000 qm große PiPiFEiN, eine Kulturmaschine für Kinder,
Jugendliche und Erwachsene.
Es ist öffentlicher Raum für ein
komplexes Nebeneinander unterschiedlichster Aktivitäten, Altersgruppen
und
Kulturen. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind Kultur, Lernen, Bewegung,
Kunst, Forschung und
Handwerk. Diese finden in einem Art Cluster aus
Werkstätten, Ateliers, Ausstellungsflächen,
Indoor-
spielplätze, Labors, Seminar- räumen und einer
Bibliothek zusammen.
Synergien und Überlappungen der
unterschiedlichen Nutzergruppen und Tätigkeiten sind das
Besondere
des vielschichtigen Raumprogramms von PiPiFEiN: Es handelt sich um
einen Ort kultureller
Kommunikation und Produktion in der Stadt, ein
neues Angebot für eine sich immer schneller wandelnde
Gesellschaft.
Wir sehen dieses Nutzungskonzept als
Teil des Kulturentwicklungsplans und als weiteren Schritt zur
Vision
Linz 2009 - Medien, Kunst im offenen Raum, Vernetzung, Kom- munikation,
Partizipation, Integration
und offene Grenzen (Vision Linz 2009).
PiPiFEiN ist ein riesiger kultureller
Spielplatz für Kinder und Erwachsene im Kulturjahr 2009 und
darüber
hinaus. Dieser ist für die Kinder der Stadt
Wahrzeichen und Identitätsstifter, für zehntausende kleine
Besucher der Kulturhauptstadt ist PiPiFEiN das Erlebnis überhaupt.
Durch die Schaffung neuartiger
Beziehungen und Nutzungsmöglichkeiten wird dieser
„Humus“ ein bunter
Fixpunkt in der Kulturlandschaft von
Linz und Oberösterreich und stellt ein nationales Novum dar.
PiPiFEiN
ist eine Investition in die Zukunft und leistet einen Beitrag
zur qualitätsvollen Betreuung und Bildung von
Kindern.
Die
Architektur dieses Laboratoriums orientiert sich an den
Bedürfnissen der Nutzer insbesondere der Kinder
und will das
riesige Volumen und Potential in spielerischer Weise füllen.
PiPiFEiN ist ein mikro-urbaner Raum
der formal wie eine Stadtlandschaft ausgebildet ist: unterschiedliche
Ebenen, ein offenes „Platzerl“, Landmarken, eine
unregelmässige „skyline“, abgegrenzte Stadtvierteln,
Cafes und Lichthöfe und sogar einem Basketballfeld. Brücken
und Rampen, Treppen und Lifte verbinden
die Geschosse der insgesamt 18m
hohen Halle. Schwebende Konstruktionen aus Stahl und Holz schaffen
eine
„piranesische“ Durchmischung aus geschlossenen und offenen,
geheizten und kalten Bereichen.
Querdurchsichten erhalten die Gesamtwirkung der Halle. Die sehr gute natürliche Belichtung soll
weiterhin
bis ins Erdgeschoss wirken. Die längsseitigen Wände
im Erdgeschoss werden durch grossflächige
Schiebeelemente ersetzt um ein
Öffnen der Halle und ein fliessendes Ineinander von Aussen und
Innen zu ermöglichen. Die räumliche Grundstruktur und ein
kräftiger Kran erlauben etwaige Veränderungen
und
Anpassungen. Wir verstehen den Faktor Zeit als wesentlichen Stellenwert
in dieser Architektur.
Einbauten oder thematische Bereiche
werden in unterschiedlichsten Teams aus Kindern, Künstlern und
Architekten erfunden. Erzielt wird dadurch ein wildes und sinnliches
Nebeneinander aus anregenden Formen,
Farben und Materialien.
Vorhandene Ressourcen und
Institutionen der Stadt (Lentos, AEC, Kuddelmuddel, Vereine, VHS,
Bibliotheken, usw.) nutzen die Infrastruktur von PiPiFEiN für
Programme und Wissenstransfer zwischen den
Gruppen. Aber auch
Initiativen aus der Bevölkerung sollen in jederzeit einrichtbaren
Arbeitsgemeinschaften
Platz finden, die dann nicht etwa "Konkurrenz" zu
bereits bestehenden, sondern eine eigeninitiierte
Ergänzung und
Ausweitung zu den etablierten Organisationen bilden sollen.
PiPiFEiN eignet sich für diesen
Standort: eine gute Anbindung, die Nähe zur Donaulände und
die zentrale
Lage an der Hafenstrasse machen die ehemalige
Fleischmarkthalle in Fortsetzung der Linzer Kulturmeile zu
einer
räumlichen Schnittstelle von Industrie, Hafen, Wohnbau und Kultur.
Als ehemaliges Industrieareal kann
der Standort sehr gut in seiner
Bedeutung neu besetzt und erobert werden!
PiPiFEiN bedarf eines Zeichens: Ein
grosser, über dem Dach schwebender, leuchtender Pneu ist
auffälliges
Landmark in einem schwer lesbaren Gewerbe- und
Industriegebiet. Als leichte Konstruktion gedacht wird die
denkmalgeschütze Substanz nicht in Anspruch genommen. Die Wolke
ist Kinderraum und Ausguck und durch
2 Röhren (Treppe und
Rutsche), die die Halle durchdringen, zugänglich. Eine riesige
Aufschrift weisst auf
PiPiFEiN hin. Der plakative Charakter des
Eingriffs entspricht dem genius loci des Gebiets (Gewerbe,
Industrie, Tankstellen und
Autobahnauffahrt). Idealerweise wird die Firma Bruckmüller zu
einem Standortwechsel
bewegt; der Halle und PiPiFEiN würde durch
einen Freiraum/ Vorplatz zur Hafenstrasse hin die entsprechende
Sichtbarkeit zukommen.
Die
Anbindung wird bis zur Fertigstellung der City-S-Bahn über einen
eigens eingerichteten Shuttlebus
organisiert, der in einer
Donau-Kreisroute die Kinder am Hauptplatz, am Mühlkreisbahnhof und
der Linken
Brückenstraße abholt und zurückbringt. Der
PiPiFEiN-Bus ist entsprechend innen und aussen gestaltet und
über
eine Werbewirkung hinaus, Teil des Spielplatzes.
Parkplätze sollen im besten Fall auf dem unmittelbar angrenzenden
Gelände der Firma Bruckmüller in Form
einer Tiefgarage
entstehen. (Gemeinsam mit der Firma wird für diese ein besserer
Standort gesucht und
entwickelt. Der frei gewordene Platz wäre
durch seine Position an einem Knoten und dank sehr guter
Anbindung
für ein hohes Gebäude geeignet. Zur Bahntrasse hin
könnte dieses den Freiraum fassen.
Zusätzlich könnte das
Hochhaus diese Massnahme finanzieren).
Die städtebauliche Entwicklung der Stadt Linz zum Hafen und der
Donau hin (Ost-West Achse) bzw. der
Strukturwandel dieses Gebietes wird
so beschleunigt und gefördert. Die Fleischmarkthalle bekommt
dadurch
die so dringend benötigte Sichtbarkeit durch eine
zusätzliche Fassade und einen Vorplatz zur Donaulände
hin.
Ein potentielles Untergeschoss in der Halle selbst könnte für
rangige Nebenräume und Technik genutzt
werden.
Kostenstrategie: PiPiFEiN – Kinder Kulturwerkstatt Linz will
sinnvoll das vorhandene Budget und Ressourcen
nutzen. Die ehemalige
Fleischmarkthalle bietet ein riesiges überdachtes Volumen, das es
erlaubt Raum zu
schaffen ohne auf herkömmliche Kriterien der
Bauphysik und des Witterungsschutzes Rücksicht nehmen zu
müssen. Es ist vorstellbar, dass PiPiFEiN ohne thermische
Sanierung der Aussenhaut auskommt: Einzelne
Räume sind der Nutzung
entsprechend gebaut und beheizbar. Das vorhandene Budget soll
weitestgehend
für den Innenausbau verwendet werden.